2004/05: Ich bin ein verwirrter, suchender Junge, der gerade frisch bekehrt anfängt seinen Weg zu suchen. Blind für den, der ich war und ohne Ahnung, dass ich ein anderer werden sollte. Gefangen in seinen Denk- und Gefühlswegen und frustriert über vieles, voller Vorurteile und bedeckt mit Schichten von schwarz-weiss beurteilten Erfahrungen. Aber eines weiss ich jetzt: Jesus ist der Schlüssel zu meinen Fragen.
Ich beende zum zweiten Mal die 10. Klasse der Realschule und bin auf der Abschlussfeier. Mein Klassenleiter steht neben mir am Rand der Tanzfläche mit einem Glas Sekt in der Hand und fragt einen Mitschüler zynisch: “Na ist dein Vater wieder irgendwo beim Predigen?” Er engegnet: “Heute nicht…” und schmunzelt. Ich frage voller Hoffung: “Dein Dad ist Prediger?” “So Ähnlich” Ich daraufhin: “…und er glaubt wirklich daran?” “Ja das tut er” als ich frage, ob mein Mitschüler das auch täte und er bejat, freue ich mich tierisch. Ein tolles Gespräch, das ich als die beste Stunde der Abschlssfeier betrachte, folgt. Über Jesus .
2006: Wir sind nicht die besten Freunde und teilen nicht mal das selbe soziale Unfeld, aber der Kontakt reisst aufgrund der Kuriosität unseres Kennenlernens nie völlig ab. Ich gehe meinen Weg, besuche meine Gemeinde und bin trotzdem immer noch derselbe wie ich vorher war. Spürbar hatte sich nichts geändert. Ich bin nicht mehr verwirrt, aber immer noch frustriert, über das was ich zu wissen glaube.
2008: Der ehemalige Mitschüler fragt mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte als Mitarbeiter auf einem Teenager-Sommercamp mitzuarbeiten. Ich hab mir das schon immer gewünscht und bin sofort dabei. Der Leiter, ein erfahrener Mann mit besonderem Leben-Flair ist der Leiter.
Ende 2008: Eine Kriese nimmt ihren Lauf und ich verliere den Boden unter den Füßen. Ich frage mich was mein Glaube ist, wer ich bin und was mein Leben eigentlich soll. Voller Verzweiflung, im Angesicht der traurigen als auch gewalteigen Tatsachen wende ich mich an den Leiter. Er nimmt sich meiner an und zeigt Perspektiven auf, alles ist trüb und beängstigend. Um mich herum wütet ein Sturm und ich wache auf um zu erkennen, dass in mir ebenfalls ein Sturm tobt, mehr denn je. Ich habe keine Kraft. Ich fange kan zu verstehen, wer ich bin und wie ich derjenige wurde. Auch fange ich an zu kapieren, dass es sich wohl nicht änder lässt, doch der Leiter sagt mir, dass es es doch geht. Aus dem Nichts tut sich eine riesen Hoffnung auf. Ich muss nicht so bleiben. Aber wie soll das gehen? Ich bin jetzt fast fünf Jahre Christ und es hat sich gar nichts geändert!
Mitte 2009: Ich sitze auf einem Balkon mit dem ehemaligen Mitschüler und wir sind zwei andere. Nicht mehr die, die sich damals auf der Abschlussfeier unterhielten. Zwei etwas reifere junger Männer. Wir sind inzwischen sehr enge Freunde. Wir staunen. Darüber welche Wege wir bis jetzt gegangen sind, wie wir damals waren und wie wir jezt sind. Wir reden wieder über Jesus.
Jetzt: Ich bin wieder ein Verwirrter und Suchender. Inzwischen aber ein junger Mann. Nicht mehr frustriert. Bin immer noch Gefangener meiner Gedanken und Gefühle, sehe aber jetzt die offene Tür. Die damalige Verwirrung wurde zu Hoffnung, die damaligen Vorurteile zu Verwirrung. Ich weiss immer noch nicht so genau, wer ich bin. Aber ich weiss, wer ich nicht bin und was ich nicht sein will. Irgendwie hat sich nichts geändert und doch irgendwie alles.
Gottes Plan ist irre. Mein Klassenleiter sagte einen zynischen Satz der mein Leben veränderte. Das ist ein Glied, das ziemlich weit vorne in der Kette meines Lebens ist, aber sicherlich nicht das erste. Aber das eindrücklichste. Wäre ich wo anders gestanden… war ich aber nicht…Hätte ich nicht wiederholt…habe ich aber… hätte ich nicht…ich hab aber. Mensch! unser denken ist eben so. Und sein Denken ist eben nicht menschlich.
Im vergleich zu letzter Woche, wo ich relativ unkompliziert, fast Mühelos und mit sehr viel Freude sehr gutes Geld verdient habe, musste ich jetzt kennenlernen, was es heißt Geld durch sau harte Arbeit zu verdienen. Manche fahren mit der Mutter auf nem Dampfer ^^ übers Meer und besuchen fremde Länder. Ich dagegen gestalte die gemeinsame Zeit mit meiner Mum so: Es war der bisher der dreckigste Job den ich jemals gemacht habe. Man Stelle sich vor eine Kleinstadt mit 40000 Bewohnern campt drei Tage und lässt ihren kompletten Müll einfach liegen. Es war ein echt beeindruckendes Panorame. Ja Panorame, weil egal wo man hinsah einfach nur überall Müll war. Und was die Leute alles liegenlassen. Besteck, ganze Zelte werden stehen gelassen, ungeöffnete Lebensmittel, kaum leere Flaschen, überall Essen auf dem Boden und und und… So eine Dekadenz, ich schüttel den Kopf. Mit Rechen, Schaufel und den ganz großen Mülltonnen ausgestattet wurde Wiese für Wiese gesäubert. Und puhh ich hab an den ungeahntesten Stellen Muskelkater. Autsch. Gesten stand ich bereits um 8.30 uhr mit total durchweichten Füßen da und wusste, ich habe noch 7 stunden vor mir im Regen zu rackern. Da habe ich echt geflucht. Ich empfelhele es nur weiter. Im Nachhinein echt cool. Was ich, so nebenbei erwähnt, nicht so cool fand, ist, dass ich echt glaube, dass ich so ein bischen eine Memme bin, meine Mum ist da echt taffer. oh mann
Erstaunlich was in den letzten 3/4 Jahr so bei mir im Leben passiert ist. Dinge von denen ich vorher nur hätte träumen können fangen plötzlich an Gestalt anunehmen und ich bin nicht wenig verwirrt. Verwirrt davon, wie ich mit dieser Art des Lebens umzugehen habe, wo ich neue Schleuche brauche. Der Standpunkt auf dem Weg der dorthin ist nicht sonderlich weit vorangeschritten, ich stecke immer noch so fast ganz in meinem Alten sein. Doch die Grundsätzliche Blickrichtung hat sich geändert und ich sehe nach vorne und was ich erkenne, wenn auch nur im Ansatz, lässt meinen Hunger und meinen Wunsch diesem Jesus zu folgen nur noch größer werden. Kann sich ein Mensch ändern? Kann das Denken und das Erleben eines Menschen so grundlegend verändert werde, dass Veränderung andere mtireisst, sie mitnimmt in ein Leben von dem Jesus sagt, es wird neu sein, anders sein, besser sein? Das sind Fragen die ich nicht mehr im Frust stelle, sondern voller Erwartung, von dem was ich jetzt erlebe und von dem was wohl noch kommen mag. Krankheit, Leid, Angst, Frust….all jene Dinge, die man als Mensch möglichst zu umgehen sucht, auch auf Kosten der Wahrheit darüber, nicht mehr verhindern zu wollen, sondern voller Vertrauen und Gewissheit dem entgegentreten und sehen wie ein Gott, der seines gleichen (eigentlich überhaupt nicht) sucht, sich um alles kümmert. Erfordert eine vollkommen neue Sichtweise, eine von Gott selbst kommende Perspektive darüber, wie die Welt hinter meiner eigenen Brille eigentlich wirklich aussieht. Bis dahin ist wohl noch ein langer Weg. Und bei einem Marathon kommt es nicht auf den Start an, sondern darauf, dass man am Ziel ankommt. Leben als Abenteuer, als ein unersetzliches Geschenk, dessen Bedeutung man einfach ohne den Schenkenden nicht zu erkennen vermag. I’m excited.