Angekommen, oder hat die Reise erst begonnen? Es fühlt sich an wie beides. Der Start war allerdings nicht ganz so sehr wie ich ihn mir gewünscht hätte. Erste nacht in Marburg in meinem neuen Zimmer mit Fieber verbracht und den zweiten Einführungstag verpasst. Langsam beginne ich zu realisieren, was gerade vor sich geht und was das führ die nächsten Jahre bedeuten wird. Dank meines Trips in die Ukraine, der sich ungeplat um einige Tag verlängerte, hatte ich absolut keine Zeit mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass jetzt wohl wirklich der Moment gekommen ist, an dem ich alles Vertraute jetzt zurück lassen muss. Dieser Gedanke und die spürbare Wirklichkeit haben mich jetzt langsam eingeholt und das ist alles andere als schön. Trotz guter Aussichten wünscht man sich selbst die nicht so schönen Dinge wieder zurück. Da zeigt sich wohl wieder, dass der Mensch etwas definitiv Unangenehmens, aber Vertrautes dem Unbekannten vorzieht. Naja…Gespannt bin ich aber, wie das alles wird, wenn der erste Jammer vorbei ist, der erstaunlich schnell kam. Neue Freuden, neuer Enttäuschungen, neue Erlebnisse, alles neu…und ich setz die Segel.
Reise
Den gestrigen Tag werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Wie kommt man am besten von Ushgorod in der Ukraine ueber Chop, ueber Budapest, ueber Chop nach Ushgorod? I’ll show ya.
Der Tag beginnt nach einem zwei stuendigen Schlaf -letzten Abnend muss man einfach mit neuen Freunden ausgehen- um 4.14am am morgen. Ich packe und werde abgeholt und mit dem Auto in des ca 30km entfernte Chop gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war ich nur koerperlich anwesend, nachdem ein Hund frontal, bei 80 Sachen, in unser Auto gerannt ist, war ich auch geistig anwesend. Kein schoener Start in den Tag, glabt mir. Danach war estmal eineinhalb Studen warten angesagt. Geplante Abfahrt: 6.30am OESZ, tatsaechliche Abfahrt 7.45am. Da habe ich mir schon angefangen sorgen zu machen, wusste ich zu dem Zeitpunkt bereits, dass ich nicht sonderlich viel Zeit habe um vom Ostbahnhof Bustapest’ zum Flughafen zu kommen. Im Zug selber ging es sehr seltsam zu. Aus heiterem Himmel zieht eine frau, ca. mitte 40, einen Schraubenzieher aus ihrer Handtasche!??? und beginnt die Innenverkleidung des internationalen Zuges auseinander zu nehmen!!!???. Dann leuchtete es mir ein. Ueber der Grenze waren wir noch nicht und der Zoll stand noch vor uns. Eine Zigarettenschachtel kostet in der Ukraine emgerechnet etwa um die 75 Cent, in Ungarn dann wieder ueber vier Euro. Den Rest koennt ihr euch denken. Natuerlich musste es so kommen und mein Zug kam um 12.35pm MESZ am Bahnhof in Budapest an. Ueber die Fahrt habe ich eine nette unterhaltung mit einer jungen Frau, die bereit war mir dann 200 Grivni zu leihen, dass ich noch ein Taxi haette naehmen koennen, aber das fiel dann auch ins Wasser, da der Check-In um 12.40pm zu Ende war. Als ich dann das Geld in ungarische Forint umtauschen wollte, stellte sich heraus, dass die das Geld nicht annehmen und ein Tausch nur von Forint in Grivni moeglich ist. Ich hatte noch fuenf Euro bei mir…zu dem kam dann auch dazu, dass mein Handyakku fast leer war und ich auch kein Essen dabei hatte. Von den fuenf euro konnte ich mir nichts kaufen, da ich mir dachte, dass es sein koennte, dass ich mit den Oeffentlich zum Westbahnhof fahren muss. Eine Flasche Cola habe ich mir dann aber trotzdem rausgelassen, dafuer hats noch gereicht. Das war echt scheisse Freunde, das sage ich euch. Das Naechste ist, dass Ungarisch echt nix mit anderen europaeischen Sprachen gemein hat und irgendwie weigern sich die Ungarer Dinge in Englisch zu doppeln. Nach einigen Telefonaten (ich hab echt panische Angst vor der Handyrechnung) mit dem Nehemia Team Ukraine, war aber das meiste geregelt. Der Akku hat auch Gott sei Dank! grad noch so gehalten. Per Western Union habe ich dann einen Geldtransfer erhalten und nach laengerem Ueberlegen, entschieden wir uns, dass es oekonomischer waere, wieder nach Chop zu fahren. Im Nehemia Trainings-Center ist grad eine belgische Familie, die am Montag morgen mit dem Auto aufbricht um wieder Heim zu fahren. Ich sage euch. Das waren wirklich 20 verrueckte Stunden sinnloser Fahrerei und Verprassung von Geld. Das war aber auch das erste mal, dass ein internationaler Zug der Ungarischen Eisenbahngesellschaft MUV so dermassig Verspaetung drauf hatte. Wohlbehalten bin ich wieder um 1.15am OESZ Uhr in Chop in der Ukraine angekommen und wurde wieder abgeholt. Dann erstmal etwas Doener-Ahnliches gegessen und ein Eis reingepfiffen. Es war echt cool, denn ich war ueber die ganze Zeit kein bischen aufgeregt, oder was auch immer, war echt ruhig…Anscheinend wollte Gott mich noch fuer die Tage hier haben, warum weiss ich allerdings noch nicht… Wie gesagt, echt verrueckter Tag.
Ich habe keine Lust mehr…
…ständig meinen Wecker ausschalten zu müssen und den ganzen Tag zu verschlafen. arrgh sch****
Ereigniskette
2004/05: Ich bin ein verwirrter, suchender Junge, der gerade frisch bekehrt anfängt seinen Weg zu suchen. Blind für den, der ich war und ohne Ahnung, dass ich ein anderer werden sollte. Gefangen in seinen Denk- und Gefühlswegen und frustriert über vieles, voller Vorurteile und bedeckt mit Schichten von schwarz-weiss beurteilten Erfahrungen. Aber eines weiss ich jetzt: Jesus ist der Schlüssel zu meinen Fragen.
Ich beende zum zweiten Mal die 10. Klasse der Realschule und bin auf der Abschlussfeier. Mein Klassenleiter steht neben mir am Rand der Tanzfläche mit einem Glas Sekt in der Hand und fragt einen Mitschüler zynisch: „Na ist dein Vater wieder irgendwo beim Predigen?“ Er engegnet: „Heute nicht…“ und schmunzelt. Ich frage voller Hoffung: „Dein Dad ist Prediger?“ „So Ähnlich“ Ich daraufhin: „…und er glaubt wirklich daran?“ „Ja das tut er“ als ich frage, ob mein Mitschüler das auch täte und er bejat, freue ich mich tierisch. Ein tolles Gespräch, das ich als die beste Stunde der Abschlssfeier betrachte, folgt. Über Jesus .
2006: Wir sind nicht die besten Freunde und teilen nicht mal das selbe soziale Unfeld, aber der Kontakt reisst aufgrund der Kuriosität unseres Kennenlernens nie völlig ab. Ich gehe meinen Weg, besuche meine Gemeinde und bin trotzdem immer noch derselbe wie ich vorher war. Spürbar hatte sich nichts geändert. Ich bin nicht mehr verwirrt, aber immer noch frustriert, über das was ich zu wissen glaube.
2008: Der ehemalige Mitschüler fragt mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte als Mitarbeiter auf einem Teenager-Sommercamp mitzuarbeiten. Ich hab mir das schon immer gewünscht und bin sofort dabei. Der Leiter, ein erfahrener Mann mit besonderem Leben-Flair ist der Leiter.
Ende 2008: Eine Kriese nimmt ihren Lauf und ich verliere den Boden unter den Füßen. Ich frage mich was mein Glaube ist, wer ich bin und was mein Leben eigentlich soll. Voller Verzweiflung, im Angesicht der traurigen als auch gewalteigen Tatsachen wende ich mich an den Leiter. Er nimmt sich meiner an und zeigt Perspektiven auf, alles ist trüb und beängstigend. Um mich herum wütet ein Sturm und ich wache auf um zu erkennen, dass in mir ebenfalls ein Sturm tobt, mehr denn je. Ich habe keine Kraft. Ich fange kan zu verstehen, wer ich bin und wie ich derjenige wurde. Auch fange ich an zu kapieren, dass es sich wohl nicht änder lässt, doch der Leiter sagt mir, dass es es doch geht. Aus dem Nichts tut sich eine riesen Hoffnung auf. Ich muss nicht so bleiben. Aber wie soll das gehen? Ich bin jetzt fast fünf Jahre Christ und es hat sich gar nichts geändert!
Mitte 2009: Ich sitze auf einem Balkon mit dem ehemaligen Mitschüler und wir sind zwei andere. Nicht mehr die, die sich damals auf der Abschlussfeier unterhielten. Zwei etwas reifere junger Männer. Wir sind inzwischen sehr enge Freunde. Wir staunen. Darüber welche Wege wir bis jetzt gegangen sind, wie wir damals waren und wie wir jezt sind. Wir reden wieder über Jesus.
Jetzt: Ich bin wieder ein Verwirrter und Suchender. Inzwischen aber ein junger Mann. Nicht mehr frustriert. Bin immer noch Gefangener meiner Gedanken und Gefühle, sehe aber jetzt die offene Tür. Die damalige Verwirrung wurde zu Hoffnung, die damaligen Vorurteile zu Verwirrung. Ich weiss immer noch nicht so genau, wer ich bin. Aber ich weiss, wer ich nicht bin und was ich nicht sein will. Irgendwie hat sich nichts geändert und doch irgendwie alles.
Gottes Plan ist irre. Mein Klassenleiter sagte einen zynischen Satz der mein Leben veränderte. Das ist ein Glied, das ziemlich weit vorne in der Kette meines Lebens ist, aber sicherlich nicht das erste. Aber das eindrücklichste. Wäre ich wo anders gestanden… war ich aber nicht…Hätte ich nicht wiederholt…habe ich aber… hätte ich nicht…ich hab aber. Mensch! unser denken ist eben so. Und sein Denken ist eben nicht menschlich.
Hart verdientes Geld
Im vergleich zu letzter Woche, wo ich relativ unkompliziert, fast Mühelos und mit sehr viel Freude sehr gutes Geld verdient habe, musste ich jetzt kennenlernen, was es heißt Geld durch sau harte Arbeit zu verdienen. Manche fahren mit der Mutter auf nem Dampfer ^^ übers Meer und besuchen fremde Länder. Ich dagegen gestalte die gemeinsame Zeit mit meiner Mum so: Es war der bisher der dreckigste Job den ich jemals gemacht habe. Man Stelle sich vor eine Kleinstadt mit 40000 Bewohnern campt drei Tage und lässt ihren kompletten Müll einfach liegen. Es war ein echt beeindruckendes Panorame. Ja Panorame, weil egal wo man hinsah einfach nur überall Müll war. Und was die Leute alles liegenlassen. Besteck, ganze Zelte werden stehen gelassen, ungeöffnete Lebensmittel, kaum leere Flaschen, überall Essen auf dem Boden und und und… So eine Dekadenz, ich schüttel den Kopf. Mit Rechen, Schaufel und den ganz großen Mülltonnen ausgestattet wurde Wiese für Wiese gesäubert. Und puhh ich hab an den ungeahntesten Stellen Muskelkater. Autsch. Gesten stand ich bereits um 8.30 uhr mit total durchweichten Füßen da und wusste, ich habe noch 7 stunden vor mir im Regen zu rackern. Da habe ich echt geflucht. Ich empfelhele es nur weiter. Im Nachhinein echt cool. Was ich, so nebenbei erwähnt, nicht so cool fand, ist, dass ich echt glaube, dass ich so ein bischen eine Memme bin, meine Mum ist da echt taffer. oh mann